Frauen für Frauen

24 Frauen mit Behinderungen aus ganz Baden-Württemberg werden als künftige Frauenbeauftragte für Wohneinrichtungen und Werkstätten für Menschen mit geistigen Behinderungen durch ein zweiköpfiges Trainerinnenteam aus der Diakonie Stetten ausgebildet. Das Sozialministerium Baden-Württemberg fördert dieses Projekt.

Bereits in 2014 wurden Susanne Hasel, Mitarbeiterin der Diakonie Stetten und Sarah Sorko, Mitarbeiterin mit Behinderung in der Diakonie Stetten, beim Verein „Weibernetz“ in Kassel im Rahmen des Projekts „Frauenbeauftragte in Einrichtungen“ als Multiplikatorinnen und Trainerinnen ausgebildet. Seit 2016 bilden die beiden Trainerinnen nun rund 24 FrauenbeauftragteFrauen mit Behinderungen aus baden-württembergischen Einrichtungen aus. In Zukunft soll es bundesweit in Wohneinrichtungen und Werkstätten der Behindertenhilfe Frauenbeauftragte geben. Sie sind Ansprechpartnerinnen für Frauen mit geistigen Behinderungen und geben Hilfestellung bei Fragen und Problemen z.B. in Bezug auf Gleichstellung, Wahrung der Intimsphäre und sexueller Gewalt. Nach dem neuen Bundesteilhabegesetz müssen erstmals im Herbst 2017 Frauenbeauftragte in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen gewählt werden.

Auch Monika Tesche und Karin Wilhelm absolvieren die Ausbildung zur Frauenbeauftragten und sind begeistert: „Ich will anderen Frauen helfen, deshalb mache ich die Ausbildung“, erzählt Karin Wilhelm, die als Assistentin im Seniorenclub für Menschen mit Behinderungen in der Diakonie Stetten arbeitet und sich zudem im Bewohnerbeirat engagiert. In sieben Seminareinheiten in Einfacher Sprache lernen die künftigen Frauenbeauftragten, welche Rechte Frauen haben, wie sie sich vor und bei sexueller sowie psychischer Belästigung wehren und wie sie andere Frauen, die mit diesen Problemen zu ihnen kommen, beraten können. Auch der Umgang mit Nähe und Distanz, die viele Menschen mit Behinderungen schwer einschätzen können, wurden in einem der ersten Seminare ausführlich thematisiert. „Demnächst steht der sechste Kurs an“, erzählt Monika Tesche, die in der Gärtnerei Hangweide der Remstal Werkstätten der Diakonie Stetten arbeitet. „Wir waren im Amtsgericht in Waiblingen und haben dort viel Neues über unsere Rechte als Frauen gelernt. Außerdem haben wir Rollenspiele gemacht, wie wir mit der Werkstattleitung sprechen können, wenn jemand mit einem Problem zu uns kommt“, erklärt Monika Tesche und ihre Kollegin Karin Wilhelm ergänzt: „Wenn jemand zu uns kommt, der belästigt wird, obwohl er das nicht will, dann müssen wir uns Hilfe bei Unterstützerinnen holen, denn wir können nicht alles alleine lösen“. So sieht das Konzept vor, dass den ausgebildeten Frauenbeauftragten mit Behinderungen in den Einrichtungen jeweils eine Unterstützerin zur Seite steht.

Susanne Hasel, Heilerziehungspflegerin und Sexualpädagogin leitet zusammen mit Werkstattmitarbeiterin Sarah Sorko die Seminare. „Das Pilotprojekt ist eine Reaktion auf die Studie, die 2011 im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von der Universität Bielefeld durchgeführt wurde“, sagt Susanne Hasel. Die Studie bestätigte die besondere Gefährdung von Frauen mit Behinderungen in Bezug auf Gewalterfahrungen, sexuellen Missbrauch und Diskriminierung. „Bei Frauen mit Behinderungen besteht Aufklärungsbedarf über Sexualität und Frauenrechte. Viele der Frauen wissen gar nicht was Sexualität ist und können Grenzverletzungen nicht einschätzen. Es ist wichtig, dass Frauen mit geistigen Behinderungen lernen, wo Grenzen bestehen und sie wissen, wie sie sich selbst verteidigen oder wo sie Hilfe holen können“, so Susanne Hasel.

Karin Wilhelm und Monika Tesche werden sich bei den Wahlen in den Remstal Werkstätten der Diakonie Stetten als Frauenbeauftragte aufstellen lassen. Sie sind optimistisch, dass sie gewählt werden. „Zu mir sind schon ein paar Frauen gekommen, die Fragen hatten. Ich würde das gerne weitermachen“, sagt Monika Tesche.

 

 

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