Musiktherapie - Kopie

Musik trifft die Seele

Pierre Schneider arbeitet seit 26 Jahren in der Diakonie Stetten als Musiktherapeut. Viele der Menschen mit Behinderungen, die regelmäßig zu ihm kommen, können nicht sprechen. Das gemeinsame Musizieren ermöglicht eine Form der Kommunikation, fördert die Aufmerksamkeit, erweckt Freude und löst manches Mal auch Krisen. 

Im großen Musikzimmer in der Devizesstraße in Waiblingen stehen allerlei Musikinstrumente mit denen Pierre Schneider regelmäßig gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen musiziert: Xylophon, Blockflöte, Rassel, Trommel, Glockenspiel, ein Gesangbuch und vor allem sein Akkordeon gehören zu den wichtigsten Hilfsmitteln, mit denen der Musiktherapeut täglich arbeitet. Im Hintergrund sind leise Klänge von bekannten Volksliedern zu hören. Lydia Lindner und Angelika Hliva kommen seit über einem Jahr einmal pro Woche zur Musiktherapie, die, wie andere therapeutische Angebote, dem interdisziplinären Fachdienst „Fabian“ und dem Fachteam Psychologie und Heilpädagogik angehört.

„Mit welchem Lied beginnen wir?“, fragt Angelika Hliva freudig. Die Frau mit Behinderung kann im Gegensatz zu ihrer Mitbewohnerin sprechen. Passend zum Sommertag entscheiden sich die zwei Frauen zu Beginn für ein bekanntes Sommerlied. Angelika Hliva kennt den Text auswendig und singt begeistert mit. Das bunt gestaltete Gesangbuch mit den Zeichnungen unterstreicht den Inhalt des Liedes. Nur mit dem Halten der Triangel in den Händen hat sie anfangs aufgrund ihrer Spastik ein wenig Schwierigkeiten. Doch mit etwas Hilfe von Pierre Schneider gelingt dies nach kurzer Zeit und Angelika Hliva stimmt sanft im Takt die Klänge mit der Triangel an. Lydia Lindner drückt ihre Freude am Mitsingen durch leises Mitsummen aus und schlägt begeistert im Takt auf die Tasten des Glockenspiels.

„Die Musiktherapie in der Diakonie Stetten richtet sich an Menschen mit komplexen Behinderungen, die meistens nicht sprechen können. Durch die musikalischen Erfahrungen, die dabei gemacht werden, kann der Weg für Kommunikation geöffnet werden und ein Dialog stattfinden“, erklärt der Diplom Musiktherapeut, der in Montpellier studierte.  „Durch das Mitsingen oder Mitsummen kommt eine Stimulation auf, die Freude hervorruft“, sagt Pierre Schneider. Im Laufe der Jahre entwickelte er die musiktherapeutische Arbeit stetig weiter. „Mir war es wichtig, die Bedeutung der Musik für Menschen mit Behinderungen herauszustellen.

Bei seiner Arbeit ist Pierre Schneider vor allem wichtig, „dass er sich für die Menschen Zeit nehmen kann“. „Die Kommunikation über die Musik muss ohne Zwang entstehen, sondern vielmehr spielerisch“. So sei die Musik ein unglaubliches Mittel, um Spannungen und Krisen zu lösen, da sie viel mit Emotionen wie z.B. Freude und Traurigkeit zu tun habe. So empfindet es auch Angelika Hliva: „Ich suche immer was, das ich machen kann und deshalb höre und mache ich selbst gerne Musik. Auch zuhause musiziere ich viel mit meiner Schwester. Es ist gut für die Motorik und entspannt mich“.

 

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